Doshas in Bewegung

November 26, 2017
kapha nimmt Fahrt auf...
Doshas in Bewegung

Warum ein Konstitutionstest oft in die Irre führt

Welcher dosha-Typ bin ich? Tests zur ayurvedischen Konstitutionsanalyse gibt es reichlich, und das Versprechen, ohne Termin beim Ayurvedatherapeuten in einem schnell gemachten Test mehr über sich zu erfahren klingt verlockend. Aber kann das funktionieren?

Zunächst vorweg – eine ausführliche Konstitutionsanalyse durch einen erfahrenen Ayurvedathearpeuten kann so ein Fragebogen natürlich nicht ersetzen. Der verwendet schließlich gleich mehrere differenzierte Verfahren, um die inneren Natur des Menschen zu ermitteln. Zudem ist es sehr schwer, sich selbst richtig einzuschätzen –  wer schafft es schon, sich unvoreingenommen zu betrachten?

Manchmal kann ein Konstitutionstest trotzdem hilfreiche Hinweise auf die persönliche Natur geben. Häufig führt er aber leider zu falschen Ergebnissen.

Warum ist das so?

Prakriti

Zunächst ist es wichtig, die beiden Begriffe prakriti und vikriti zu vestehen.

Prakriti bezeichnet die angeborene Konstitution, Anlagen mit denen wir schon auf die Welt gekommen sind. Meist herrschen ein oder zwei doshas im Menschen vor, ganz selten sind vata, pitta und kapha gleichermassen manifestiert. Diese sogenannte tridosha-Konstitution gilt als besonders stabil. Allgemein bewertet der Ayurveda die unterschiedlichen pakritis aber als gleichwertig. Jedes dosha hat seine Qualitäten, und auch wenn z.B. ein dynamisch–agiler pitta-vata-Typ dem aktuellen Zeitgeist eher entspricht, ist diese Konstitution nicht erstrebenswerter als eine stabile warmherzige Kapha-Natur.

Vikriti

Prakriti ist unsere ursprüngliche Natur und nicht veränderbar. Die allerwenigsten Menschen in unserer Gesellschaft aber befinden sich noch in ihrem ursprünglichen prakriti-Zustand. Durch den Wohnort, die Ernährungsweise, das Arbeitsumfeld, kurz den ganzen Lebensstil verschieben sich die Anteile von vata, pitta und kapha – teils sogar erheblich. Diesen “gestörten” Zustand nennt Ayurveda vikriti. Die Veränderungen können sich auf körperlicher, physiologischer und geistiger Ebene zeigen.

Der typische dosha-Test unterscheidet selten zwischen dem aktuellen und dem ursprünglichen Zustand, es wird meist nach dem Jetzt gefragt. Und da unser aktueller Zustand häufig schon gestört ist, identifizieren wir uns mit Unterstützung des Tests leicht mit unserer vikriti.

Eine Freundin ist von Natur aus pitta-vata-Typ mit starker pitta-Dominanz. Durch jahrelanges ständiges Reisen, eine unregelmäßige Ernährungsweise mit viel Brot und häufigen Stress verstärkten sich ihre vata-Anteile. Seit längerem leidet sie unter trockenem Haar und trockener Haut, Gewichtsabnahme, Schlafstörungen und einem unruhigen Geist – das Ergebnis des Konstitutionstest bescheinigt ihr eine klare vata-Natur.

Statt Konstitutiontest passt also eher die Bezeichnung Momentaufnahme.

Eine solche ist durchaus hilfreich, vor allem wenn wir gleichzeitig wissen, wie unsere eigentliche, ursprüngliche Natur aussieht. Dann gibt der Test uns wichtige Hinweise, welches dosha aus der Balance geraten ist, und wie wir wieder zu unserer prakriti zurück finden können.

Von der vikriti zurück zur prakriti

Wenn du einen Konstitutionstest machst, beantworte also die Fragen im Tests einfach zweimal : Einmal hinsichtlich des Jetzt-Zustands, und einmal im Hinblick auf deine Kindheitheits- und Jugendzeit. Im Vergleich siehst du dann, wo Differenzen und eventueller Handlungsbedarf bestehen.

Eine Veränderung ist ja nicht per se negativ. Wenn ein ursprünglich von pitta und rajas geprägter aufbrausender und selbstbezogener Geist durch Meditation zu Gelassenheit und Großzügigkeit gefunden hat, besteht kein Grund, wieder zur starken pitta-Dominanz zurück zu finden.

Und wer durch den Test neugierig geworden ist, macht dann vielleicht doch noch einen Termin beim Therapeuten…