Detox fürs Herz – die Vergebungsmeditation

Februar 12, 2018
junge am ganges

Fürs Fasten ist es noch ja zu früh, aber emotionale „Entgiftung“ kannst du das ganze Jahr über praktizieren!

Die aktuelle Meditations-Challenge von Sharon Salzberg („commit to sit“) brachte mich dazu, wieder einmal ihr Buch Metta Meditation – Buddhas revolutionärer Weg zu Glück aufzuschlagen. Im Rahmen der ausführlichen Erläuterungen zu den einzelnen Schritten der Meditation der liebenden Güte enthält das Buch auch eine Anleitung, wie wir Vergebung üben können – für mich eine sehr tiefgreifende und heilsame Praxis, die ich euch heute vorstellen möchte.

Negative Gefühle schaden auf Dauer Seele und Körper

Es gibt wenige Emotionen, die so ungesund sind wie Groll und Schuldgefühle.
Beide wurzeln in unserer Vergangenheit, häufig liegen die auslösenden Begebenheiten sogar viele Jahre zurück. Und beherrschen trotzdem unser Leben in der Gegenwart, machen uns eng im Herzen und unfrei in unserem Ausdruck.
Das tut nicht nur in der Seele weh sondern kann auch körperliches Leid verursachen. So stehen andauernde negative Emotionen z.B. unter Verdacht Arteriosklerose zu begünstigen, da sie die Konzentration entzündungserregender Stoffe im Körper erhöhen.

Eine einfache – wenn auch nicht immer leichte – Üungspraxis kann dir helfen, alten Groll und Schuldgefühle nach und nach los zu lassen. Das kann, genau wie das körperliche Entgiften, mehr Leichtigkeit und Beweglichkeit in dein Leben bringen.

Vergebung üben – die Praxis

Die Vergebungsmeditation verläuft in drei Phasen:

  • die Menschen um Vergebung bitten, die wir verletzt haben
  • Menschen vergeben, die uns verletzt haben
  • uns selber vergeben, wenn wir uns selbst verletzt haben

Die erste Phase – andere um Vergebung bitten

Nachdem du dich in deiner Meditationshaltung eingefunden hast, beobachte eine Weile deine Atmung, um so zur Ruhe zu kommen. Dann formuliere in Gedanken die Intention:
Sollte ich jemanden verletzt oder gekränkt haben, bewusst oder unbewusst, so bitte ich ihn*sie um Vergebung.
Du kannst natürlich auch eigene Worte wählen.

Manchmal kommt uns schon beim Formulieren dieses Satzes eine bestimmte Person im Kopf. An anderen Tagen dauert es eine Weile bis ein Bild auftaucht. Dann halte ich es für wichtig, nicht aktiv darüber nachzudenken, wer denn nun diese Person sein könnte, der du vergeben möchtest, sondern dir Zeit zu lassen. Damit sich zeigen kann, was sich zeigen möchte. Das kann eine aktuelle Situation sein, aber auch lang zurück liegende Vorkommnisse mit Menschen, an die du seit Jahren nicht mehr gedacht habe. Auch dann versuche, nicht das Geschehene zu analysieren sondern den Empfindungen Raum zu geben die auftauchen.

Die zweite Phase – den anderen vergeben

Nach einer Weile gehst du zur zweiten Phase über:
Sollte mich jemand verletzt oder gekränkt haben, bewusst oder unbewusst, so vergebe ich ihr*ihm.
Das klappt vielleicht nicht immer – bei manchen Menschen spüren wir ganz deutlich, dass wir noch nicht bereit sind zu vergeben. Eine Möglichkeit ist, den Satz umzuformulieren:
Ich versuche dir zu vergeben.
Das schafft Freiraum. Schließlich geht es nicht darum etwas zu erzwingen oder vorzutäuschen, und manche Verletzungen schmerzen ein Leben lang.* Trotzdem oder gerade deshalb ist es heilsam, den Groll los zu lassen, in der eigenen Zeit, Schritt für Schritt. Allein schon die Intention wirkt.

Die dritte Phase – sich selbst vergeben

Die dritte Phase ist vielleicht die wichtigste: sich selbst die eigene Unzulänglichkeit zu vergeben.
Wie immer ich mir selbst geschadet habe, bewusst oder unbewusst, ich vergebe mir.
Selbstmitgefühl ist die Basis, um Empathie für andere zu empfinden. Vielleicht möchtest du dir auch das Verhalten vergeben, durch das du andere verletzt hast, oder deine Schwierigkeit, anderen zu vergeben.

Ein andauernder Prozess

Die Vergebensmeditation ist ein Prozess des Loslassens, bei dem die unterschiedlichsten Gefühle auftreten können. Sicher ist das, genau wie bei einer tiefgreifenden körperlichen Reinigung, nicht nur angenehm. Es ist viel leichter, nicht zu vergeben als zu vergeben. Versuche die Empfindungen und Emotionen nicht zu bewerten und dich nicht mit ihnen zu identifizieren. Alles braucht seine Zeit.

Und das Üben lohnt sich – ohne den emotionalen Ballast wird dein Leben wieder leichter und beschwingter!

* Traumatische Erlebnisse sollten besser innerhalb einer Therapie aufgearbeitet werden.